Der Gottesdienst wurde von Mitwirkenden aus Gemeinden verschiedener christlicher Konfessionen gestaltet und machte so die Vielfalt gelebter Ökumene sichtbar. Einen besonderen Schwerpunkt bildete das Glaubensbekenntnis von Nizäa-Konstantinopel, das als gemeinsames ökumenisches Credo gilt und an hohen Feiertagen in vielen Kirchen gesprochen wird.
Neben weiteren liturgischen Elementen wurde das Osterevangelium (Lukas 24) verlesen. Im Anschluss erhielten alle Teilnehmenden während der musikalischen Begleitung ein Osterlicht, das am Osterfeuer entzündet und an die versammelte Gemeinde weitergegeben wurde. Bereichert wurde der Gottesdienst durch Gesänge der Schola, einer kleinen liturgischen Sängergruppe der griechisch-orthodoxen Kirche. Die musikalische Begleitung der liturgischen Gesänge der Gemeinde übernahm ein Akkordeonspieler.
Mit dem Vaterunser, dem Friedensgruß, dem Segenszuspruch und dem gemeinsam gesungenen „Irischen Segenswunsch“ als Schlusslied endete dieser eindrucksvolle Gottesdienst – ein sichtbares Zeichen christlicher Einheit und der Hoffnung in herausfordernden Zeiten.
Im Anschluss waren alle Besucherinnen und Besucher eingeladen, bei einem Glas Wasser oder Wein und etwas Gebäck miteinander ins Gespräch zu kommen.
Hintergrund
Für Christinnen und Christen ist Ostern das zentrale Fest des Glaubens: die Feier der Auferstehung Jesu Christi von den Toten. Eigentlich sollte dieses Fest weltweit an einem gemeinsamen Termin begangen werden. So hatte es das Konzil von Nizäa im Jahre 325 festgelegt.
Die Trennung zwischen „Ostkirche“ und „Westkirche“ im 11. Jahrhundert führte jedoch dazu, dass sich unterschiedliche Berechnungstraditionen entwickelten – entgegen dem ursprünglichen Beschluss des Konzils. Während sich die Ostkirchen am julianischen Kalender orientieren, der auf die Antike zurückgeht, liegt dem Osterdatum der Westkirchen der gregorianische Kalender zugrunde, der im 16. Jahrhundert eingeführt wurde.
Nur in größeren zeitlichen Abständen fällt das Osterfest in beiden Traditionen auf denselben Termin – zuletzt im Jahr 2025. Weitere Übereinstimmungen wird es in den Jahren 2028 und 2030 geben; danach liegen die Termine wieder weiter auseinander.
Umso erfreulicher war es, dass auch im Jahr 2026 ein gemeinsamer Termin für einen ökumenischen Ostergottesdienst gefunden werden konnte: der Tag, an dem die Ostkirchen in diesem Jahr Ostern feierten. In der eindrucksvollen Atmosphäre der Ruine der Aegidienkirche wurde es zu einem Fest in großer konfessioneller Vielfalt.
Die „St. Aegidienkirche“ ist ein geschichtsträchtiger Ort: Ihr Bau begann bereits im 12. Jahrhundert. Im Herbst 1943 wurde sie bei einem Bombenangriff bis auf die Umfassungsmauern zerstört. Heute dient die Ruine als „Gedenkstätte für die Opfer der Kriege und der Gewalt“ – so formuliert es eine Gedenktafel im Eingangsbereich.
Neuapostolische Kirche